"Daumenschrauben für die Wahrheit?..."

Von Gitta Gritzmann (Kinder lesen und schreiben für Kinder e.V.)

Am 13. und 14.05.2017 verfassten einige Stipendiaten aus Ingolstadt, Nürnberg und Würzburg im Schreibseminar der Roland Berger Stiftung unter fachlicher Anleitung facettenreiche Berichte in der Jugendherberge Rothenburg ob der Tauber. Einige berichteten auch über den spannenden Besuch im Mittelalterlichen Kriminalmuseum, dem einzigen Rechtskundemuseum Deutschlands, das seinen Besuchern eine beachtliche Sammlung von Foltergeräten präsentiert. Beeindruckend viele Exponate wurden für dieses Museum aus der ganzen Welt zusammengetragen. Im Mittelalter wurden Foltermethoden vor allem eingesetzt, um den Angeklagten zu einem Geständnis zu zwingen. Das Tragen einer Schandmaske mit langer Zunge und langen Ohren galt als sogenannte „Ehrenstrafe“ für diejenigen, die viel tratschten und ihre Mitbürger verleumdeten.

Die Stipendiaten berichteten über ihre Eindrücke im Kriminalmuseum, die abendliche Führung mit einem „Henker“, der mit seinen schaurig-schönen Geschichten aus dem mittelalterlichen Rothenburg seine Zuhörer/innen fesselte und aussah, als wäre er aus der Vergangenheit in die Gegenwart gesprungen. Einige Schreiber/innen erstellten höchst interessante Unfall- und Polizeiberichte. Wir beschäftigten uns im Verlauf des zweitägigen Seminars u.a. mit folgenden Fragen:

Inwiefern unterscheidet sich ein Bericht von einer Erzählung? Wie ist die Grundstruktur des Berichts und was sind seine sprachlichen Besonderheiten? Wo wird der Berichtstil benutzt? (Polizeibericht, Zeitungsbericht, Unfallbericht, Zeugenaussagen vor Gericht, Schadensmeldungen an Versicherungen, Bericht über das Betriebspraktikum, Reisebericht). Die richtige zeitliche Reihenfolge im Bericht ist ebenso wichtig wie die richtige Zeitform (Präteritum). Schließlich haben die Stipendiaten die im Seminar erarbeiteten Tipps und Tricks hinsichtlich der Textgestaltung bestens umgesetzt und vorgetragen, sodass ihnen alle Anwesenden, auch die Projektleiterinnen Martina Seidel, Evelin Boden sowie Vanessa Wimmer und Christian Krügel, mit Begeisterung zuhörten.